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Probleme des Mittelstandes

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Innovationen sind die Triebfeder für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands

Deutschlands Innovationskraft entwickelt sich sowohl aus nationaler Sicht wie auch im internationalen Vergleich positiv. Das zeigen Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die im Oktober 2017 vorgestellt wurden. Demnach belegt Deutschland hinsichtlich der Innovationskraft im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz. Problematisch ist aber, dass die gestiegenen Innovationsanstrengungen auf immer weniger Unternehmen zurückgehen.

Die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft stiegen 2015 im Jahresvergleich um 8,8 Prozent auf rund € 157 Milliarden. Die Innovationsintensität ist rd. 3,1 Prozent Anteil Innovationsausgaben am Umsatz auf einen neuen Höchstwert geklettert. Der mit neuen Produkten erzielte Umsatz stieg um rd. 8 Prozent auf € 710 Milliarden.

Die Innovatorenquote unter kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist von 43 Prozent in 2005 auf 22 Prozent in 2015 gesunken. Die Innovationsanstrengungen im Mittelstand konzentrieren sich damit auf immer weniger Unternehmen. Mit der Abnahme um weitere 237.000 Unternehmen beschleunigt sich dieser Prozess sogar noch.

KMU-Anteil an den Innovationsaufwendungen deutlich rückläufig

Auch Mittelständler mit 50 bis 500 Beschäftigten steigerten ihre Innovationsausgaben im Vergleichszeitraum um knapp 9 Prozent auf zuletzt rd. € 37 Milliarden. Die Entwicklungsbudgets von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern nahmen dagegen um rd. 50 Prozent zu. Der KMU-Anteil an den gesamten Innovationsaufwendungen der deutschen Wirtschaft war deutlich rückläufig.

Bei KMUs mit bis zu 50 Mitarbeitern war ein drastischer Rückgang zu verzeichnen. Gerade kleine Unternehmen sind aber für die Diffusion neuer Technologien in die Industrie von besonderer Bedeutung. Sie stellen zudem wichtige Partner der Wertschöpfungs- und Innovationsketten dar. Bei einer Neupositionierung der Großunternehmen oder einem grundlegenden Wechsel der Technologiepfade ist die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen deshalb schnell massiv gefährdet. Sie laufen dabei Gefahr ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren und aus dem System zu fallen.

Viele Studien zeigen, dass Innovationstätigkeit und Wachstum mit der Unternehmensgröße korrelieren. Groß wird demnach, wer innovativ ist – oder anders ausgedrückt, wer groß ist muss innovativer sein, um seine Position zu sichern. Für alle Betriebsgrößen aber gilt, wer nicht mehr innovativ ist, verliert zunächst an Wettbewerbsfähigkeit und dann an Ertragskraft. Eine rückläufige Ertragskraft beraubt Unternehmen aber der pekuniären Substanz für Innovationen.

Warum Mittelständler immer seltener Neues wagen

Als ein Hauptgrund für die sinkende Zahl innovativer Mittelständler sieht die KfW Finanzierungsprobleme (1). Viele Unternehmen können Innovationen intern nicht finanzieren und meiden aufgrund niedriger Absatzerwartungen externe auch Kreditangebote. Eine zunehmend restriktive Kreditvergabe bedingt durch strengere Regulierungsvorgaben treffen vor allem vermeintlich ertragsschwache und weniger vermarktungsstarke kleinere Unternehmen. Darüber hinaus besteht ein umfassendes Förderinstrumentarium, das dem Mittelstand aber oftmals nicht bekannt ist.

Ein konsequentes Innovations- und Technologiemanagement (2) besteht im Mittelstand oftmals nicht. Gerade fokussiert stark auf das bestehende Geschäft. Er besitzt zudem nur eine geringe Neigung zur Erschließung neuer Technologiefelder und Zukunftsmärkte. Auch der geringe Wissensaustausch mit Branchen jenseits bestehender Märkte trägt dazu bei. Dies belegt eine Studie der IHK Stuttgart, die auch darauf hinweist, dass es an Methodenkompetenz fehlt, und in der Folge die internen Innovationsprozesse in vielen mittelständischen Unternehmen verbesserungswürdig sind.

Entwicklungskooperationen (3), die bestehende Grenzen und Branchen überspannen und gezielten horizontalen Wissenstransfer fördern, könnten eine Lösung zur Stärkung der eigenen Kompetenzen sein. Die Neigung zu kooperieren ist im Mittelstand aber nur gering ausgeprägt. Fehlende Kooperationen gerade mit Forschungseinrichtungen bedeuten auch fehlende Kanäle für den Wissenstransfer.

Der Mangel an Fachkräften (4) hemmt die Innovationsfreude des Mittelstands zudem. Die Belegschaft in vielen Unternehmen wird immer älter. Die KfW zeigt, dass mit der Alterung der Belegschaft auch die Innovationstätigkeit zurückgeht. Die Bereitschaft im Bereich Organisationsgestaltung und Personalentwicklung innovative Wege zu gehen, ist im Mittelstand gering ausgeprägt. Neue personalpolitische Maßnahmen zur langfristigen Bindung qualifizierter Mitarbeiter fehlen weitgehend. Gerade in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels sind die Aus-und Weiterbildungsaktivitäten auch weiterhin zu gering.

Digitalisierung und Globalisierung (5) bewirken, dass Leistungen schnell, kostengünstig und global angeboten werden können. Heute wird bereits ein Drittel aller weltweiten Investitionen in Forschung und Entwicklung in Ländern außerhalb der OECD getätigt. Dieser Anteil wächst stetig. Anbieter aus den großen Schwellenländern holen deutlich auf. Entwicklungen müssen in immer kürzeren Zeiten zur Marktreife getrieben werden. Produktlebenszyklen werden immer kürzer. Der Innovationsdruck steigt. Hierauf muss der Mittelstand zeitnah Antworten finden.

Nur die Erschließung spezifischer Anwendungs- und Marktpotenziale unter Einbindung zukunftsfähiger Technologien verhindert die seit Jahren zu beobachtende Abkopplung des Mittelstands von wichtigen technologischen Entwicklungen.

 

Quellen:
OECD-Studie, 2017: “Science Technology and Innovation Outlook 2016”, Paris/France
ZEW, 2017: „Innovationserhebung. Indikatorenbericht zur Innovationserhebung 2017“; Mannheim
KfW Innovationsbericht Mittelstand 2017: „Innovationen im Mittelstand: Sieben Gründe für den Rückgang der Innovatorenquoten“, Frankfurt/Main
KfW Innovationsbericht Mittelstand 2016: „Innovationen konzentrieren sich auf immer weniger Unternehmen“, Frankfurt/Main
IHK Niederbayern, 2015: „Kooperation als Schlüssel zum Innovationserfolg“, Passau
IHK Region Stuttgart, 2014: „Industrieller Mittelstand: Spitzenstellung in Gefahr?“, Stuttgart
Deutsche Bank Research, 2013: „Mittelstand und Demografie: Der Handlungsdruck steigt!“, Frankfurt/Main

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